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Willkommen auf der offiziellen Internetseite der Gedenkstätte Moritzplatz Magdeburg

Der 1873 bis 1876 als Amtsgericht und Stadtgefängnis errichtete Gebäudekomplex am Moritzplatz in Magdeburg-Neustadt diente von 1945 bis 1989 allen mit der politisch motivierten Verfolgung befassten ostdeutschen Strafverfolgungsorganen als Untersuchungshaftanstalt: zunächst der Justiz, ab 1952 der Deutschen Volkspolizei und ab 1958 dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR.

Die 1990 gegründete Gedenkstätte Moritzplatz Magdeburg erinnert an die mehr als 10.000 an diesem Ort in den Jahren 1945 bis 1989 inhaftierten Opfer politischer Verfolgung. Zur Wahrung eines würdigen Gedenkens werden die Besucherinnen und Besucher aufgefordert, sich angemessen zu verhalten.

 

 

Aktuelles

 

 

Cover Sperk

Neue Publikation in der wissenschaftlichen Reihe der Stiftung

Alexander Sperk: Die Geheime Staatspolizei in Anhalt. Personal, Lageberichte, Verfolgte | Wissenschaftliche Reihe der Stiftung Gedenkstätten...

Corona-bedingte Bestimmungen für den Besuch der Gedenkstätte

Bereits seit dem 10. Mai 2021 haben wir wieder geöffnet. Gemäß der Landesverordnung vom 21. Mai/1. Juni 2021 und unseres Hygienekonzepts gelten für den Besuch der Gedenkstätte folgende Bestimmungen:
- Eine Voranmeldung ist für Einzelbesucher nicht mehr erforderlich.
- Projekttage/Workshops und Führungen für Schulklassen sind nun wieder möglich. Wie gehabt bitten wir hierfür um Voranmeldung und vorherige Absprache.
- Maximal 50 Besucherinnen und Besucher dürfen sich gleichzeitig im Gedenkstättengebäude aufhalten.
- Die aushängenden Abstands-​ und Hygieneregeln sind einzuhalten.
- Besucherinnen und Besucher müssen ihre Kontaktdaten zur evtl. notwendigen Nachverfolgung von Infektionsketten durch das Gesundheitsamt erfassen lassen.
- Beim Besuch der Gedenkstätte ist eine medizinische Mund-Nasen-Abdeckung zu tragen.

Für Anfragen rufen sie uns bitte an unter 0391 244 5590 bzw. 0291 244 55923 oder schreiben Sie uns an unter info-moritzplatz(at)erinnern.org. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Digitale Seminare als Alternative zum Gedenkstättenbesuch

Aufgrund der mit der andauernden Pandemie einhergehenden Einschränkungen für unsere pädagogische Tätigkeit vor Ort bieten wir auf Anfrage auch digitale Seminare an. Wir bitten um eine vorherige Absprache über die technische Voraussetzungen sowie über die Themenauswahl und den zeitlichen Rahmen für das Seminar.

Für Anfragen stehen wir gern unter info-moritzplatz(at)erinnern.org zur Verfügung!

Nachruf auf Ralph-Peter Klingenberg (1956-2020)

Wenige Wochen vor seinem 64. Geburtstag verstarb am 4. Oktober 2020 Ralph-Peter Klingenberg. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gedenkstätte Moritzplatz Magdeburg hatten ihn seit 2008 als einen überaus an der Arbeit der Einrichtung interessierten Menschen kennengelernt, der sich gern in der Bildungsarbeit engagierte und zahlreichen Besuchergruppen als Zeitzeuge über seine Erfahrungen als Häftling des DDR-Staatssicherheitsdienstes hier vor Ort berichtete.

Ralph-Peter Klingenberg wurde am 6. November 1956 in Schönebeck (Elbe) geboren und wuchs seit 1960 in Magdeburg auf. Nach dem Schulbesuch und einer Lehrausbildung im Wohnungsbaukombinat arbeitete er im Vermessungsbetrieb der Deutschen Reichsbahn. Die Staatssicherheit nahm Ralph-Peter Klingenberg am 5. Juli 1975 fest und lieferte ihn in die Untersuchungshaftanstalt Magdeburg-Neustadt ein. Dem 18-jährigen war der Entwurf für ein Flugblatt, welches er im Mai 1975 gemeinsam mit zwei Gleichaltrigen auf einem Beatkonzert in Lauchhammer verteilen wollte, zum Verhängnis geworden. Das Konzert fiel aus, die Flugblätter wurden nicht verteilt. Aber die Stasi sah den Tatbestand der versuchten staatsfeindlichen Hetze als erfüllt an. Sie hatte Ralph-Peter Klingenberg, der sich in Magdeburg im Club „Otto von Guericke“ in einem Lyrik-Zirkel engagierte und auch viel Zeit im „Exlibris“ verbrachte, schon seit längerem auf dem Schirm. Und auch seine kritische Einstellung zur DDR, die er – Spitzname „Kaktus“ – u.a. durch sein äußeres Erscheinungsbild bewusst zum Ausdruck brachte. Mittels eines Flugblattes die DDR-Bürger fragen zu wollen, warum „Jugendliche diskriminiert [werden], wenn sie nicht in der FDJ sind“, „Menschenrechte verletzt“ und „die UNO-Charta nicht eingehalten [werden], … Grenzposten gezwungen [werden], Menschen zu erschießen“, brachte aus Sicht der Stasi das Fass zum Überlaufen. Nach sechsmonatiger Untersuchungshaft mit unzähligen Verhören verhängte das Bezirksgericht Magdeburg gegen ihn eine zweijährige Haftstrafe. Desillusioniert von der Aussicht, in einer reformierbaren DDR weiter leben zu können, stellte er aus der Strafhaft in Cottbus heraus einen Ausreiseantrag. Durch den Freikauf politischer Häftlinge durch die Bundesrepublik gelangte er am 8. September 1976 in Freiheit und begann in Heidelberg ein neues Leben. Der Besuch seiner Heimatstadt Magdeburg blieb ihm bis zum Zusammenbruch der DDR 1989 verwehrt.

Nach der Wiedervereinigung strafrechtlich rehabilitiert, zog er 2003 nach Magdeburg zurück und begann sich für die Gedenkstätte Moritzplatz zu engagieren: zuerst für die neue Dauerausstellung, ab 2011 auch als oft nachgefragter Zeitzeuge in der Bildungsarbeit. Gemeinsam mit seiner Frau Marion war er regelmäßig Gast unserer Veranstaltungen und brachte sich hierbei häufig in Diskussionen ein. 2013/14 lernten wir Ralph-Peter Klingenberg im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes auch als Kollegen schätzen. Für all das sind wir ihm dankbar. Ralph-Peter Klingenberg lebt hier in der Gedenkstätte Moritzplatz Magdeburg nicht nur in der Dauerausstellung fort, sondern auch in der Erinnerung derer, die ihn kennenlernen durften.